1. Aufriß
(von Reinhard Hohmann)
Ursprünglich war die Erwachsenenbildung an der Universität und ihren Lehrfächern orientiert - sie war sozusagen eine Universität des "kleinen Mannes" - daher der Name "Volks-Hochschule". Die Themen ähnelten denen des Studiums. Sie mußten für die Erwachsenenbildung elementarisiert werden, damit sie auch der akademisch ungeübte Lerner verstehen konnte.
Der biografische Ansatz in der Erwachsenenbildung geht nicht von den Themen aus, sondern vom lernenden Subjekt. Er betont, dass jeder Mensch seine eigene Lebens- und Bildungsgeschichte hat, die erst Lernbedürfnisse und Lernwege hervorbringt. Grundsätzlich ist jedes Erwachsenenlernen ein "Anschlußlernen". Wir wenden uns dem Neuen zu, wenn es in Beziehung steht zu dem, was wir erfahren, erlebt und früher gelernt haben - was also unsere Biografie ausmacht.
Der biografische Ansatz in der Erwachsenenbildung auch als eine Antwort auf das gesellschaftliche Phänomen der Individualisierung verstanden werden. Denn in unserer Zeit sind Lebensläufe so unterschiedlich und frei gewählt wie nie zuvor. Es gibt "Patchwork-Biografien", in denen ein Lebensentwurf durch einen anderen abgelöst wird. Das Individuum selbst trifft seine Lebensentscheidungen, die früher in höherem Maße von der Gesellschaft, den Eltern oder der Familie vorgeprägt waren.
Ein großes Problem besteht in der Frage, wie die einzelne Biografie für das organisierte Lernen nutzbar gemacht werden kann. Sie ist nicht einfach zugänglich, sondern muß erinnert, erzählt und für das Lernen aufbereitet werden. Dabei verlangt der biografische Ansatz, dass nicht nur gelegentlich auf Erfahrungen und Erinnerungen zurückgegriffen wird, sondern dass dies systematisch bei der Erschließung der Themenfelder und bei der methodischen Gestaltung des Lernens geschieht.
Auf der Ebene der Bildungsplanung bedeutet der biografische Ansatz, bei der Akkreditierung, bei Zertifikaten und Zugangsbestimmungen die persönliche Lernbiografie stärker zu berücksichtigen, nicht nur schulische Zeugnisse und formale Qualifikationen.
Auf der mikrodidaktischen Ebene wird es in der Regel nicht möglich sein, das Lernen streng biografisch auf die einzelne Lebensgeschichte zu gründen. Eher noch können Erwachsenenbildner lebensgeschichtliche Elemente bündeln, also nach dem suchen, was bei vielen Lernern in einer Gruppe gemeinsam ist. Dies nennen wir in Deutschland den "lebensweltlichen Ansatz".
2. Die Beiträge
Einen grundsätzlichen Überblick zum biografischen Lernen gab Elisabeth Wappelshammer,
hier als PDF-Datei (ca. 35kb).
Reinhard Hohmann demonstrierte als das kreative Schreiben als Beispiel guter Praxis und Anregung für Menschen, die ihre Biografie schreiben möchten.
Näheres hier als PDF-Datei (ca. 25kb).
Stasia Piotrowka erläuterte am Beispiel des Deutsch-Polnischen Jugendaustausches, wie Lebensgeschichten junger Menschen durch internationale Begegnungen eine andere Richtung bekommen können.
(Näheres demnächst hier.)
Von Jaroslaw Wloch aus Gdinia vom Arrupe Centrum der Jesuiten stammt ein Modell der Lehrerfortbildung, in dem schwierige Unterrichtssituationen in der kollegialen Fallbesprechung bearbeitet werden.
Näheres hier auf polnisch als PDF-Datei (ca. 550kb)
Per Himmelstrup beschrieb das in Skandinavien seit vielen Jahren verbreitete Modell der Studienkreise (demnächst hier).
Ihre Grundidee ist, dass Menschen Lernaufgaben aus ihrem Umfeld selbstorganisiert lösen und dabei die Hilfe des Lehrers nur gelegentlich in Anspruch nehmen.
Laszlo Kovacz berichtete, dass der Begriff "biografisches Lernen" in Ungarn bislang wenig verbreitet und weitgehend unbekannt ist. Im Sozialismus habe sich die Pädagogik einem unkritischen Realismus verschrieben.
Näheres hier als PDF-Datei (ca. 14kb)
3. Zusammenfassung
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