Zusammenfassung und Rückblick
von Franz Bittner (Wien)
Das im Rahmen des Bildungsprogramms SOKRATES von der EU genehmigte und finanzier-te Projekt " Stimulating Learning Potentials - Anregende Lernpotentiale" wurde in der Zeit von August 2001 bis Juli 2003 durchgeführt. Ursprünglich waren daran Einrichtungen aus Dänemark, Deutschland, Großbritanien, Österreich, Polen, Ungarn beteiligt.
In Konferenzen, die in London, Salzburg, Krakau, Budapest, Askov und Berlin durchgeführt wurden, konnten die TeilnehmerInnen jeweils einen guten Einblick in die Systeme der Er-wachsenenbildung in den einzelnen Ländern gewinnen.
Die unterschiedlichen Orte, das Kennenlernen anderer Lernsysteme und guter Praxis, die Be-gegnung zwischen den TeilnehmerInnen waren sehr positive und nachhaltige Prozesse. Daher auch hier noch einmal ein "Dankeschön" den jeweiligen VorbereiterInnen und ModeratorIn-nen der einzelnen Teile. Das Erleben unterschiedlicher Kulturen war sehr bereichernd.
Zum Abschluß konnten wir folgende Erkenntnisse ziehen:
- Dieses Projekt hatte aufgrund der langen Dauer - zwangsläufig - eine personelle Fluktua-tion zur Folge. Dies hat den kontinuierlichen Fortlauf erschwert.
Künftig werden wir auf mehr personelle Kontinuität Wert legen!
- Die Zielgruppe bei der Projektplanung formulierten Zielgruppen, nämlich Leitende und Mitarbeiter in Dachorganisationen der allgemeinen Erwachsenenbildung, konnte bei der Umsetzung nicht voll erreicht werden, da es nicht in allen teilnehmenden Ländern ent-sprechende Dachorganisationen gibt. Dies hatte auch zur Folge, dass Personen aus ver-schiedenen Ebenen (von der Basis bis zur Bundesverantwortung) miteinander zu tun hat-ten. Neben den daraus resultierenden positiven Aspekten wurde auch klar, dass eine vor-herige Klärung dieser Frage besser gewesen wäre.
Künftig werden wir die Frage der Zielgruppe(n) bei der Planung genauer definieren und die Möglichkeit der Umsetzung im Vorfeld überprüfen!
- Es hat sich herausgestellt, dass - auch wenn die gleiche Sprache verwendet wird - Beg-riffsunterschiede in den einzelnen Kulturen bestehen. Erst bei längeren und tiefergehenden Gesprächen kann unterschiedliches Verstehen erkannt werden. Zu schnelles Vorangehen verhindert wirkliches Verstehen.
Künftig werden wir uns genügend Zeit geben, um die Erwachsenenbildung in den je-weils anderen Ländern zu entschlüsseln.
- Informelles, biografisches Lernen bestimmt das Werden von Menschen in einem viel stär-keren Ausmaß, als zunächst angenommen wird. In den meisten Ländern (mit Ausnahme von Dänemark) wird zu großer Wert auf formale und nachvollziehbare Abschlüsse gelegt.
Künftig werden wir in unserem jeweiligen Einfluß- und Zuständigkeitsbereichen dar-auf aufpassen, dass auch informelles Lernen zertifiziert wird und dies anerkannt wird.
- Es gibt keine "europäische Erwachsenenbildung". Es gilt jedoch, Gemeinsamkeiten zu entdecken, zu verstehen und in Lernpartnerschaften zu treten.
Künftig werden wir darauf achten, dass es nicht um Vernetzung, sondern um die Ent-wicklung von Lernpartnerschaften geht.
- Die sog. "allgemeine Erwachsenenbildung" scheint in einigen Ländern durch die neuen, beruflichen Anforderungen ins Hintertreffen zu gelangen. Es gilt, das Lernen im Lebenslauf stärker anzuerkennen.
Künftig werden wir in unserem Wirkungsbereich stark darauf Wert legen, dass neben beruflicher Qualifikation auch Persönlichkeitsbildung den Menschen "ausmacht".
- Wir haben erkannt, dass in allen teilnehmenden Ländern zwar schulische / universitäre Bildung auf guten gesetzlichen Grundlagen steht, nicht jedoch die Erwachsenenbildung.
Künftig werden wir versuchen, auf gesetzliche Regelungen und Verankerungen der Erwachsenenbildung zu drängen.
Wir haben vereinbart, dass vor allem die Themen "Systematisierung des informellen Lernens" und die "Zertifizierung von biografischen Lernen" - auch in einer neuen Lernpartnerschaft - verfolgt werden sollen.
|