Lebenslanges Lernen in Deutschland
Lifelong-Learning in Germany
Deutschland ist ein föderativer Staat
Bildung, Kultur und Wissenschaft gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Bundesländer. Die Bundesregierung in Berlin hat nur wenige Zuständigkeiten, besonders für die Berufsbildung. Um die gemeinsamen Aufgaben und Ziele abzustimmen, gibt es Koordinierungsgremien wie die Kulturministerkonferenz oder die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung.
Das deutsche Bildungssystem
Über viele Jahrzehnte war es durch ein dreigliedriges Schulsystem (Hauptschule - Realschule - Gymnasium) und durch das Abitur als einzige Berechtigung zum Hochschulstudium gekennzeichnet. Seit den 70er Jahren ist dieses System durchlässiger geworden. Trotzdem gilt es in den Grundzügen auch heute noch.
Förderung der Erwachsenenbildung
In fast allen Bundesländern - außer Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin gibt es Gesetze zur Förderung der Erwachsenenbildung bzw. der Weiterbildung. Trotz aller Unterschiedlichkeit haben sie ein paar gemeinsame Ordnungsgrundsätze, die insofern typisch für Deutschland sind:
- offener Zugang für alle Personen und Personengruppen der Bevölkerung
- institutionelle Förderung: es werden Einrichtungen der Erwachsenenbildung als förderungswürdig anerkannt und finanziell ausgestattet, die eine Gewähr für kontinuierliche und qualitativ hochwertige Arbeit bieten. Dazu zählen z.B. die Volkshochschulen und die kirchlichen und gewerkschaftlichen Bildungswerke
- die Einrichtungen müssen juristisch selbstständig sein und frei in der Auswahl ihrer Mitarbeiter sowie in der Programmgestaltung
- die Einrichtungen müssen sich selbst um die Qualifikation und Fortbildung ihrer Mitarbeiter kümmern.
Neben den Erwachsenenbildungsgesetzen gibt es in vielen Bundesländern Bildungsurlaubsgesetze. Sie regeln die bezahlte Freistellung von Arbeitnehmern zur Teilnahme an Bildungsveranstaltungen . In der Regel haben Arbeitnehmer in Deutschland einen Anspruch von einer Woche pro Jahr. Die Bildungsurlaubsgesetze regeln auch, welche Veranstaltungen anerkannt werden.
Institutionen
Es gibt in Deutschland sehr viele Anbieter von Erwachsenenbildung. Dazu gehören ca. 1.000 Volkshochschulen, die zumeinst in der Trägerschaft der Kommunen sind, dann die Bildungseinrichtungen der Kirchen, der Gewerkschaften und großer Verbände. Auch die Betriebe, Unternehmen, Industrie- und Handelskammern unterhalten eigene EB-Institutionen. Schließlich sind in den letzten Jahren viele kommerzielle und private Träger auf dem "Weiterbildungsmarkt" entstanden.
Die Volkshochschulen, die katholische und evangelische Erwachsenenbildung und die gewerkschaftlichen Bildungswerke haben sich bundesweit zusammengeschlossen:
- Deutscher Volkshochschulverband
- Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung
- Deutsche Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung
- Bildungsvereinigung "Arbeit und Leben"
Heimvolkshochschulen sind Internatseinrichtungen, die vor allem ein- und mehrwöchige Kompaktseminare anbieten. Sie sind in unterschiedlicher Trägerschaft, viele werden von den Kirchen unterhalten.
Auch die Hochschulen sind Anbieter von Erwachsenenbildung: Viele bieten auswärtige Seminarkurse in Zusammenarbeit mit den örtlichen Anbietern an, zunehmend öffnen sich die Hochschulen aber auch für Gasthörer ("Seniorenstudium", "Kontaktstudium")
Angebote
Es gibt keine verlässliche Statistik über das Angebot an Erwachsenenbildung in Deutschland. Die wichtigste Quelle ist das "Berichtssystem Weiterbildung", eine Repräsentativerhebung zum Weiterbildungsverhalten der Deutschen. Daraus die folgenden Daten:
Lernen ist "in" - Gestiegene Teilnahme
An Kursen, Lehrgängen und Seminaren nehmen heute fast 50 % aller Erwachsenen teil, im Jahre 1979 waren es noch 23 %. An der sogenannnten "allgemeinen Weiterbildung" beteiligen sich 31 %, an der beruflichen Bildung ebenfalls ca. 30 %. In Zahlen heißt das: Etwa 15,7 Mio Deutsche beteiligen sich an allgemeiner Weiterbildung.
Alter und Weiterbildung
In jüngeren Jahren ist die Bereitschaft zum Weiterlernen höher, sie liegt bei ca. 50 %. Ab 50 Jahre sinkt sie deutlich ab: Die 50 bis 64jährigen nehmen nur noch zu 20 % an beruflicher Weiterbildung teil, zu 26 % an allgemeiner Weiterbildung.
Wer hat, bekommt noch mehr (lebenslanges Lernen und Vorbildung)
Lebenslanges Lernen hängt von der früheren Schulbildung ab:
Menschen mit niedriger Schulbildung beteiligen sich zu 34 %, Menschen mit Abitur zu 65 %.
Auch in der beruflichen Bildung kommen Menschen mit geringer Schulbildung nur wenig (19 %) zum Zuge, Menschen mit Abitur aber zu 41 %.
Noch deutlicher sind die Unterschiede in Bezug auf die berufliche Qualifikation:
Wer keine Berufsausbildung hat, beteiligt sich an der Weiterbildung nur zu 24 %. Dagegen ist die Quote bei den Hochschulabsolventen fast dreimal so hoch: 69 %
Informelle Weiterbildung
Inzwischen wird nicht nur das "formelle Lernen" in Kursen, Seminaren und Lehrgängen als Weiterbildung gesehen, sondern auch das private oder selbstorganisierte Lernen.
52 % geben an, berufsbezogene Fachliteratur zu lesen
50 % lernen selbst durch Ausprobieren und Beobachten
37 % besuchen kurzzeitige Informationsveranstaltungen und Vorträge
24 % lernen mithilfe von Medien
26 % besuchen Fachmessen oder Kongresse
Träger des lebenslangen Lernens
Neben den Volkshochschulen spielen in Deutschland die konfessionellen Bildungseinrichtungen eine große Rolle im Bereich der allgemeinen Weiterbildung:
| Volkshochschulen: |
15 Mio Unterrichtsstunden, 9,4 Mio Teilnehmer |
| Katholische Erwachsenenbildung: |
5,9 Mio Unterrichtsstunden, 5,2 Mio Teilnehmer |
| Evangelische Erwachsenenbildung: |
1,2 Mio Unterrichtsstunden, 3,3 Mio Teilnehmer |
Die Hauptinteressen der erwachsenen Lerner:
| Sprachen: |
30 % |
| Gesundheitsfragen: |
15 % |
| Kreatives Gestalten: |
12 % |
| Naturwissenschaft und Technik: |
11 % |
| Wirtschaft und kaufmännische Praxis: |
10 % |
| schulische Lehrgänge: |
7 % |
| Politik, Zeitgeschehen: |
1,3 % |
(aus der Statistik der Volkshochschulen) |